Ein
Brauhaus-Rundgang in Köln
Stand
Herbst 2001 (div. Korrekturen 2003, 2009, u.A. Streit um
Päffgen)
(Anmerkungen Detlef Rick März 2004)
das Museum ist ab 1. April 2006 leider geschlossen!!!
Wird angeboten von mehreren Stellen: einmal samstags vom Sion aus durch
Sion, Früh
und Malzmühle (siehe Broschüre der Sion-Stiftung), von der VHS und vom
Ökobildungswerk u.A.. Über das Verkehrsamt der Stadt Köln (0221/221-3345 bzw. Fax
0221/221-3320) sind ebenfalls
Rundgänge
zu erfahren. Die wohl engagiertesten Führer gibt es beim Ökobildungswerk
(heute: neues lernen). Päffgen soll ebenfalls einen Rundgang anbieten. Schön vom Geschmack der Kölschsorten
her ist der folgende, hier beschriebene Brauhausrundgang.
Die
obergärige Biersorte Kölsch darf nur noch in den Stadtgrenzen Kölns
und einigen wenigen, namentlich erwähnten Braustätten außerhalb dieser
Grenzen gebraut werden. Zur Herstellung dienen nur Hopfen, Malz, Gerste und
Wasser. Von den bundesweit etwa 1.900 Brauereien sind fast 800 in Bayern und 19
in Köln (Kölsch 15, 1990 waren es noch 20) zu finden. Von diesen 19 Braustätten
in Köln werden heute 22 Sorten hergestellt. Pro Jahr werden fast 3 Millionen
Hektoliter Kölsch gebraut (1913 635.000, 1990 3.600.000 Hl). Es gibt z.Z. einen
mächtigen Konzentrationsprozess bei den Braustätten. So nimmt der Trend zu,
eine Kölschsorte im Lohn bei einer fremden Brauerei brauen zu lassen. Der
Geschmack und die Qualität wird sich so wohl zwangsläufig etwas annähern.
Qualitativ sollen lt. Fachmann alle Sorten vergleichbar sein. Es gibt jedoch
noch große Unterschiede bei der Betonung einzelner Marken, z.B. wie dem Stammwürzegehalt,
der Malzsorten usw..
Link
zu allen Kölschmarken über
www.koelner-brauerei-verband.de/koelsch.htm
und
allen Brauhäusern.
DOM
Museum (früher Küppers)
Ein
beliebter Treffpunkt für diese Rundgänge ist in der Südstadt, da hier in dem
detailgetreu eingerichteten alten Braukeller der ursprüngliche handwerkliche
Herstellungsprozess nachvollzogen werden kann. Herr Heinz-Peter Hasenbach (???)
(Anmeldung heute 2003 bei DOM, Herr Rick 0221/3989757) kümmert sich sehr
engagiert um die Besucher. Zuerst geheimnisvoll war uns das benötigte Eis beim
Brauprozess. Hiermit wurde die Bierwürze abgekühlt und eine gleichbleibende
Temperatur zur Gärung eingestellt. Ein großes Problem vor der Erfindung der
Eismaschine von Linde im Jahre 1876.
Interessante
Führungen durch dieses Museum sind jederzeit zu vereinbaren, incl. Test des
heutigen Ergebnisses des inzwischen industriellen Herstellungsprozesses der Kölner
Brauerei DOM (früher Küppers
www.kueppers-koelsch.de/)
mit einem Ausstoß von ca. 300.000 Hektolitern obergärigem Kölsch pro Jahr.
DOM füllt,
wie früher Küppers, auch Flaschenbier ab. In Köln war der Ruf von Küppers
nicht so gut, die Verbreitung Richtung Wuppertal, Solingen usw. dagegen stark.
Eine, mehr als kleine Brauerei in der Südstadt angesehene Braustätte (Reissdorf),
machte dagegen riesige Sprünge beim Ausstoß (Verdoppelung und mehr) und gehört
heute mit ca. 180.000 Hl zu den Großen in Köln, hat aber ihren Standort in der
Südstadt auch bereits verlassen.
das Museum ist ab 1.
April 2006 leider geschlossen!!!
Die DOM AG wird 2007 zur KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktien).
Brauhaus zur Malzmühle
www.muehlen-koelsch.de/
Die
letzte von ehemals mehr als 40 Braustätten in der Kölner Altstadt
(innerhalb der Stadtmauer) am Heumarkt. Mit ca. 120.000 Hl ein schon
kleineres Brauhaus mit alter Tradition, Telefon 0221/2408867+210118). Es hat
auch noch das Thekenschaaf in Betrieb, obwohl die Kontrolle der Angestellten
heute meist anders abläuft (Umsatzbeteiligung).
Früher
wurde an diesem Standort nur Malz verarbeitet, später wurde dann die Brauerei
gebaut. Noch heute gibt es hier ein Malzbier mit Alkohol (2,5 Vol.%) im
Ausschank, also nichts für Kinder. Wie fast überall kann hier auch deftig und
gut gegessen werden. Es gibt zu jeder Zeit Pittermännchen außer Haus zu
verkaufen.
Das
Mühlen-Kölsch ist deutlich dunkler mit einem kräftigeren Geschmack als andere
Sorten. Die Marke ist als Fass- und Flaschenbier überall zu kaufen. So schenkt
der Golde Kappes in Nippes auch Mühlenkölsch aus.
Traditionsgemäß
wohnte über dem Schankraum der Braumeister, darüber die Brauereieigentümer.
Das ist in der Malzmühle noch tatsächlich erhalten. Leider ist die Fassade
nicht mehr rekonstruiert und recht hässlich. Das dahinter jedoch noch sehr wohl
im alten Zustand. Der Produktionsbetrieb im Nebenhaus ist jedoch recht modern
eingerichtet.
Gilden
www.gilden.de
Die
Marke wird bei der Bergischen-Löwenbrauerei GmbH in Köln-Mülheim
hergestellt, die auch im Lohn andere Marken braut. Der Betriebsratsvorsitzende
dieses Betriebes (Herr Scherbaum-Lüdecke 0221/8800199+881233 bzw. 96299-149)
war auch unser engagierter Rundführer. Er ist für solche Informationen immer
ansprechbar.
Von
den früher etwa 12.500 Beschäftigten im Brauereigewerbe Kölns blieben heute
nur noch etwa 4.500 übrig. Auch hier macht sich das Lean,
also der schlanke, durchrationalisierte Betrieb bemerkbar. So rechnet man pro
Beschäftigten etwa eine Produktion von 320.000 Hl im Jahr. Natürlich abhängig
von der Größe der Brauerei und deren technischem Standard. Hier werden also
noch viele kleinere Betriebe einfach schlichtweg pleite machen müssen bzw. ihre
eigene Produktion einstellen und ebenfalls im Lohn produzieren lassen.
Gaffelhaus
www.gaffel.de/
Nach
den drei vorherigen Kölschsorten ein recht großer Sprung! Gaffel (360.000 Hl)
hat mit Abstand den höchsten Stammwürzegehalt aller Kölschsorten. Es ist also
nicht egal wie rum dieser Rundgang gemacht wird. Der Gaffel-Ausschank ist heute
im alten Brezelhaus am Kölner Altermarkt zu Haus, einem Zwillingshaus, das früher
tatsächlich eine Brauerei beherbergte. Die zwei Seiten des Hauses haben eine
unterschiedliche Geschichte und sind eigentlich zwei getrennte Bauten.
Im
Schankraum findet ihr die Erklärung des Wortes Gaffel, es heißt nämlich
Gabel. Die Kölner Zünfte auf der gegenüberliegenden Wand mit ihren Wappen könnt
ihr bewundern, es fehlen aber zwei Frauenzünfte, die damals verboten wurden.
Deren erste Vertreter bildeten übrigens früher den Rat der Stadt mit dem
Regierungsgremium, der Gaffel. Mit Gabeln essen war früher verpönt, sie diente
im Ratskeller nur zum Auflegen der Speisen. Die Vertretung der Zünfte im Rat
war vielleicht ehrlicher und vor allem abwechslungsvoller als heute. Denn die Kölner
Wirtschaft hat heute ja immer noch das Sagen, die Ratsvertreter sind jedoch in
ihrer Mehrzahl Rechtsanwälte und Beamte.
Päffgen
www.paeffgen-koelsch.de/
Wer
noch nicht genug hat kann noch ein weiteres Brauhaus in der Altstadt besuchen. Für
einen Samstagnachmittäglichen Rundgang ist das aber in der Regel zu viel. Also
bitte wählen.
Päffgen
stellt nur Fassbier her, die Fässer sind oft noch aus Holz, also kein Flaschenbier.
Am Altermarkt findet ihr nur den Ausschank, weitere vier Kneipen
mit Päffgen findet ihr in Köln und in Bergisch Gladbach. Das sind frühere Köbes',
die sich selbständig gemacht haben.
Stand 2006: im alten Päffgen am Heumarkt (heute: Ausschank der
Brauerei zum Pfaffen) wird nach einem Namensstreit das selbstgebraute "Pfaffen-Bier" ausgeschenkt.
Päffgen-Bier gibt es noch im
Brauhaus Päff in der Friesenstraße, im Max Start im
Kunibertsviertel, im
Bierhaus in der Salzgasse und Em Höttche in
Dellbrück mit einem schönen Garten.
Das
Päffgen-Kölsch wird nicht verschnitten (also aus mehreren Produktionsreihen
gemischt), schmeckt also durchaus auch mal anders als die Woche davor. Für mich
ein gutes Zeichen von Qualität gegenüber den großen
"Pipelinebrauereien".
Sonstiges
Pittermännchen
(10l-Fässer) gibt's überall in Köln. Ein guter Hahn und einige Kisten Kölschstangen
reichen bereits. Das Kölsch muss frisch getrunken werden, es ist nicht länger
lagerfähig auf Grund fehlender
Konservierungsmittel (darum meide ich auch alle internationalen
Biersorten wie Tuborg, Becks, Dortmunder Union usw. mit ihren Antioxidationsmitteln und Stabilisatoren). Ein angeschlagenes Fass sollte in
maximal einer Stunde leer sein, ansonsten war das Fass zu groß! Fassbier hat gegenüber
dem Flaschenbier weniger Kohlensäure, ist also meist bekömmlicher und süffiger.
Sonst ist es völlig das gleiche Bier.
Die
Kölschstangen gibt es übrigens erst ab etwa 1956, davor waren auch Kölschgläser
deutlich größer. Der Köbes in Kölner Wirtschaften hat eine besondere
Stellung. Er hat eigentlich das absolute Sagen, nicht so wie die ruhigen, zurückhaltenden
Kellner im Gastronomiebereich sonst. Wer das nicht glaubt muss sich nicht
wundern, wenn er/sie mal nichts mehr bekommt. Beim Apfelsaft eh oft so. Geduldet
wird höchstens noch Mineralwasser mit einer passenden Entschuldigung (Auto und
so). Köbesse (?) arbeiten in der Regel Schicht. Bei Mühlen 2x12 Stunden,
bei Gaffel auch in Dreischicht. Sie verdienen meist nur einen Grundbetrag sowie
10% vom Umsatz und
machen das in der Regel nicht bis zur Rente. In diesem Job hätte er (gibt es
Sie's?) auch nicht viel davon.
Fassbier
ist teurer als Flaschenbier, dass ist einfach abhängig vom Markt, nicht von der
Produktion. Das aufwendige Holzfass ist eh meist verschwunden.
Neuerdings
gibt es wieder einen Trend hin zu kleinen reinen Hausbrauereien. Da ist z.B. das
Weißbräu im Süden, etwa
1990 als Weissbierbrauerei gegründet. Hier wird von
montags bis freitags jeden Tag der Kessel mit 1.400l Fassungsvermögen
betrieben. Heraus kommen drei obergärige Sorten Wies, Kölsch und eine dunkle
Sorte, die sehr lecker schmeckt. An den Tischen gibt es Pittermännchen und wie
fast überall deftiges Essen. Zum Nachhauseweg empfiehlt sich
eine Syphon-Kanne mitzunehmen. Vielleicht ist das zu-spät-kommen dann nicht
ganz so schlimm.
Kölns kleinste
Brauerei (Helios) ist eine Anlage in einer Kneipe
in der Christianstraße
Ecke Venloer-
in Ehrenfeld (eröffnet 2001). Völlig einfache Ausstattung, aber leckeres Essen und neben
"Kölsch" *)
(benannt Helios) auch Alt und Flaschenbiere in Champagnerflaschen mit mehr
Umdrehungen! Dazu jeden Monat ein Spezialbier. Kellerbesichtigungen immer
Sonntagabend!
*) das ist lt.
Kölschkonvention KEIN Kölsch, darum eben Helios genannt! Kölsch muss
filtriert und damit klar sein.
Hier eine Webseite zu allen
Gasthausbrauereien: www.hausbrauerei.de/
Der
Versuch einer ökologischen Kölschmarke ist in den achtziger Jahren sehr
schnell gescheitert, weil der Initiator sich nicht mit dem Kölner
Brauereiverband engagieren wollte. In Münster gibt es die Brauerei Pinkus, die vor allem Rohstoffe aus kontrolliertem Anbau mit weniger
Spritzmitteln usw. einsetzt. In Köln ist dieses recht leckere Bier
rechtsrheinisch über den BioWeinLaden Trehörn
(Ökoweine 0221/6320484) zu bekommen. Aber auch
Hellers ist hier wohl zu
nennen. Es ist sehr lecker, aber mehr weis ich leider nicht.

Anmerkungen von Detlef Rick - DOM-Brauereimuseum
Hallo Herr Schramm,
Sie hatten ja damals an einer Führung durch das Museum teilgenommen und mir das
Skript Ihres Brauhaus-Rundgangs schriftlich gegeben. Deshalb hier noch kleine
Anmerkungen zur DOM Brauerei und zum DOM Brauereimuseum.
1) Die DOM Brauerei führt sich zurück auf das Jahr 1894 (wie auch Reissdorf!).
Damals wurde die Hirschbrauerei – gelegen an der Tacitusstraße – gegründet. 1918
erfolgte die Übernahme der 1873 gegründeten Cölner-Aktien-Bier-Brauerei,
Alteburg b. Cöln. Damals wie heute vergrößerten sich die Brauerei durch
Übernahme von kleineren Brauerei. Und so wuchs die DOM Brauerei – wie sie 1938
benannt wurde – durch Fusionen. 2001 wurde das Brauereigelände in der
Tacitusstraße aufgegeben, da man das Gelände und die Braustätte der
Küppers-Brauerei übernommen hat. Die DOM Brauerei ist bis heute die einzige
Aktiengesellschaft (2007 zur KGaA) unter den Kölsch-Brauereien.
2) Das DOM Brauereimuseum hat eine eigene Homepage:
www.dombrauereimuseum.de
Herr Hasenbach führt auch noch, aber die meisten Führungen werden von mir
abgehalten.
das Museum ist ab 1.
April 2006 leider geschlossen!!!
3) Gefreut hat mich der Absatz über das Ökobier:
Pinkus Müller in Münster braut übrigens ein ökologisches Alt-Bier, das aber im
Gegensatz zum dunklen niederrheinischen Alt ein helles Bier ist! D.h.: Würde
dieses Bier in Köln gebraut, dürfte es sich Kölsch nennen, da es die Kriterien
der Kölsch-Konvention erfüllt - nur eben nicht in Köln gebraut wird!
Mit freundlichen Kölsch-Grüßen
Detlef Rick
inf@dombrauereimuseum.de

Die
Kölner Kölsch-Hitliste (Produktion,
alles etwa Stand 2001)
| Marke |
Konzern |
Ausstoß Hl/Jahr |
| Reissdorf Kölsch |
Privatbrauerei GmbH |
470.000 |
| Gaffel Kölsch |
Privatbrauerei Gaffel, Becker & Co. |
470.000 |
| Früh Kölsch |
Cölner Hofbräu P. Josef Früh |
450.000 |
| Küppers Kölsch |
Küppers Kölsch GmbH* |
300.000 |
| Gilden Kölsch |
Berg. Löwen-Brauerei GmbH* |
300.000 |
| Dom Kölsch |
Dom-Brauerei |
240.000 |
| Sion Kölsch |
Altstadt-Bräu Johann Sion KG* |
170.000 |
| Sester Kölsch |
Privatbrauerei Sester GmbH* |
150.000 |
| Mühlen Kölsch |
Brauerei zur Malzmühle Schwartz KG |
120.000 |
| Kurfürsten Kölsch |
Kurfürsten-Bräu AG, Bonn* |
115.000 |
| Ganser Kölsch |
Ganser Brauerei GmbH Lev |
(geschlossen) |
| Bürger Kölsch |
Rheinische Bürger-Bräu GmbH |
|
| Garde Kölsch |
Brauhaus zur Garde AG |
|
| Gereons Kölsch |
Hubertus-Brauerei GmbH |
|
| Germania Kölsch |
Sieg-Rheinische Germania Brauerei AG |
|
| Giesler Kölsch |
Friedr.Giesler'sche Brauerei KG |
|
| Päffgen Kölsch |
Hausbrauerei Gebr. Päffgen |
|
| Peters Kölsch |
Monheimer Brauerei Peters & Bambeck |
|
| Rats Kölsch |
Privatbrauerei Robert Metzmacher KG |
|
| Richmodis Kölsch |
Richmodis-Bräu |
|
| Römer Kölsch |
Römer-Brauerei Josef Roleff GmbH |
s. Sester |
| Severins Kölsch |
Brauerei Peter Schopen GmbH, Bedburg |
|
| Sünner Kölsch |
Brauerei Gebr.Sünner GmbH |
|
| Zunft Kölsch |
Erzquell-Brauerei Bielstein Haas & Co. KG |
|
| Weissbräu |
- |
400! |
| Hellers |
Öko-Kölsch, seit 1990 in Köln |
5.000 (in 2006) |
| Helios |
"Braustelle", Venloer Str./Ecke Christianstr. |
150 ??? |
|
Summe Kölsch ca.: |
3.000.000 |
|
Summe Bier BRD
gesamt: |
108.000.000
|
| im Vergleich
(2002): |
Interbrew
|
12.039.000 |
|
Holsten-Gruppe |
9.800.000 |
|
Radeberger-Gruppe
AG
|
8.820.000 |
|
Brau und Brunnen AG |
7.200.000 |
|
Haus Cramer
|
5.697.000 |
|
Bitburger
|
5.102.000 |
|
Krombacher
|
4.865.000 |
| * Brau und Brunnen AG mit Rheinisch Bergische Brauerei |
|
Kölsch
ist die einzigste Sprache,
die man auch trinken kann!